Saitenvirtuosin mit großem musikalischem Bekanntenkreis:
Maike Virk
Interview vom 18.08.2025
Studiert hat sie klassisch – Violine. Dann kam die erste Folkband, war ja naheliegend mit dem Instrument. Hingezogen hat es sie jedoch immer wieder zu Songwritern mit prägnanten Stimmen. Mit ihnen tourte sie durch die Clubs und Pubs von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und erklomm Theaterbühnen. Highlight war eine vom Goethe Institut gesponserte Schottland Tour. Später veränderte die härtere Gangart in Rockbands Maikes Violinen-Stil. Zu akustischen Geigenklängen gesellten sich Zerrer, Oktaver, Tremolo und Delay. Diese nahm sie dann mit auf die großen Festival- Bühnen u.a. als Support von Status Quo, Uriah Heep, Nik Kershaw oder gemeinsam mit Musikern wie Mike Keneally und Scott Carter Thunes bei der Zappanale in Bad Doberan. Prägend auch die Begegnung und das Zusammenspiel mit CITY-Geiger Joro Gogow. Nachdem Maike bei zahlreichen Albumproduktion ihrer Gesangskollegen mitgewirkt hat, legt sie 2022 mit „Something New“ ihr Debüt Solo-Album mit einem Mix aus eigenen Songs und denen befreundeter Bands und Songwriter vor, stilistisch sehr vielfältig in Sound und Genre. Maikes Solo-Geige (bzw. Bratsche) ist der rote Faden, der sich durch dieses Album zieht. Nun hat dieses Album eine „kleine Schwester“ in Form einer 4-Track-EP bekommen. Für unseren Kollegem Rainer Buck die erste Begegnung mit Maikes Kunst und Anlass, mit ihr ein ausführliches Kennenlerngespräch zu führen.
Glückwunsch, Maike, zu deiner neuen EP "Himmelslieder". Ich nehme an, ich bin nicht der Erste, der bemerkt, dass die Scheibe eigentlich keinen treffenderen Namen haben könnte.
Dankeschön! Ja und ich freu mich natürlich darüber! Ursprünglich war Himmelslieder ja nur der Titel für den eigentlichen Song. Aber irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass Himmelslieder in der Tat ein starker und poetischer Begriff ist und als Namensgeber für die EP damit sehr geeignet. Und wahrscheinlich habe ich die anderen Songs schon im Vorfeld, mehr oder weniger unbewusst, so ausgewählt, dass sie zum Titel passen.
Ich muss gestehen, dass für mich zunächst einmal der Stern-Meisen-Frontmann Manuel Schmid das "Zugpferd" war, weshalb ich die Platte kennenlernen wollte. Wie ist es zu der Kooperation mit ihm gekommen?
Dass ich Manuel getroffen habe, daran ist letztendlich Dirk Zöllner „Schuld“ - im besten Sinne. Danke, Dirk! Er war mir natürlich schon vorher aufgefallen, weil er einfach ein genialer und sehr präsenter Musiker ist und besonders seine Stimme hat mich schon immer sehr berührt. Aber persönlich kennengelernt habe ich ihn tatsächlich erst auf dem großen Geburtstagsfestival von Zöllner im Juni 2022 im Machandeltal auf Rügen und begonnen hat alles im Reisebus dorthin. Das war eine wirklich legendäre Fahrt, wo es Spontansessions gab mit Manuel, Andre Drechsler, Dirk natürlich und Robert Gläser. Ich hab dann irgendwann auch die Geige ausgepackt und mitgespielt und daraufhin hatte Manuel mich dann abends vor Ort gefragt, ob ich ihn noch einmal begleiten würde. Letztendlich war das unser erster gemeinsamer Spontan-Gig, wo es musikalisch zwischen uns gefunkt hat und es gab darauf soviel positive Resonanz, dass wir einfach weitergemacht haben, angefangen haben, gemeinsam Konzerte zu spielen und dann im Mai 2023 auch das erste Mal zusammen im Studio waren. Ich habe übrigens dort im Machandeltal noch sehr viele andere tolle Musiker kennengelernt, wie zum Beispiel die großartige Soul- und Blues-Sängerin Steffi Breiting, die ja dann auch die Leadsängerin von Himmelslieder wurde.
Ein anderer Mitwirkender ist Moritz Engelmann, der ja schon auf deinem Debütalbum "Something New" als Songschreiber und Sänger vertreten war. Er verleiht dem Auftaktsong seine Stimme, die mich an James Blunt erinnert hat. Kannst du etwas über ihn und eure Zusammenarbeit erzählen?
Ja sehr gern, Moritz ist in der Tat mein Neffe. Wir machen bereits seit sieben Jahren zusammen Musik und ich bin sehr froh darüber. Es macht einfach Spaß, wir verstehen uns gut. Wir haben damals unser erstes gemeinsames Bandprojekt gestartet. Das war nach seinem Abitur. Mittlerweile ist er 26 und sehr gewachsen als Musikerpersönlichkeit, als Songschreiber. Seinen ersten Song „Small Wings“ haben wir 2019 aufgenommen, damals noch mit seinem Zwillingsbruder Gustav, der auch ein fantastischer Pianist ist. Dazu gibt es auch ein schönes Video auf Youtube. Moritz ist Allrounder. Er spielt Gitarre, Bass, Klavier, aber vor allem ist er ein grandioser Sänger und du bist nicht der erste, der seine Stimme mit der von James Blunt vergleicht. Der Vergleich liegt tatsächlich nahe. Aber nicht nur. Seine Stimme ist vielfältig. Mit Julian Wolf, dem aktuellen Gitarristen meiner Band, macht er zum Beispiel auch einige Zöllner-Songs. Aber vor allem singt er natürlich seine eigenen - und auch meine – fantastisch. Und ich freue mich, dass er immer wieder mit neuen Songideen um die Ecke kommt. Auf sein neues Werk „The Wait“, das wir gerade aufgenommen haben, könnt ihr gespannt sein. Und ich liebe „G.I.N“, den Eröffnungssong, den du erwähntest und die Leichtigkeit, die er ausstrahlt und zu dem die Rezniceks, Manuel und alle anderen Beteiligten der EP auch Wunderbares beigetragen haben.
Die zwei Nummern mit Manuel sind Coversongs von Holger Biege und Silly. Wie kam es zu dieser Auswahl?
Als ich angefangen habe, mit Manuel gemeinsam Musik zu machen, habe ich auch angefangen mich intensiver mit seinen anderen Projekten zu beschäftigen, habe ihn mir sehr oft auf der Bühne angeschaut – besonders bei Lesungen mit Wolfgang Martin - und letztendlich ist es so gewesen, dass diese beiden Nummern mich besonders beeindruckt haben, wenn er sie singt. Zu „Asyl im Paradies“ kann ich nur sagen, dass es eines meiner absoluten Lieblingslieder der großartigen Tamaras Danz und der Band SILLY ist. Ein Lied, das so poetisch ist und so strahlt, ein Himmelslied im besten Sinne und das hat nichts damit zu tun, dass Tamara nicht mehr unter uns weilt. Und Manuel singt es engelsgleich. Genau wie Holger Bieges und Werner Karmas wunderbaren und sehr berührenden Song „Meine Hände“. Dieser ist für mich vor allem ein Friedenslied - und das war auch ein ganz entscheidender Punkt - und drückt in sehr starken Worten aus, was ich fühle.
Der abschließende Titelsong ist trotz des Titels eher ein erdiger Song und eine Eigenkomposition von dir. Schreibst du viele Lieder?
Nein, ich schreibe nicht viele Lieder. Ich bin nicht die typische Songschreiberin, die Songs am Fließband produziert oder auch produzieren kann. Das liegt natürlich auch daran, dass ich mit meiner Musikschule viel zu tun habe und damit gar nicht so viel Zeit dafür. Aber, als ich angefangen habe zu schreiben, haben sich die Songs, die entstanden sind, praktisch aufgedrängt, sie wollten raus. Und wenn ich einen Song schreibe, dann reift er sehr lange, bis ich ihn veröffentliche. Und das passiert dann aber auch mit dem entsprechenden Aufwand und mit einer großen Aufmerksamkeit von mir.
Ich habe gelesen, dass du auch ausgebildete Sängerin bist. Hört man dich auf der Bühne auch mal als Sängerin?
Ausgebildete Sängerin ist ein bisschen hoch gegriffen. Ich hatte in meiner Jugendzeit über vier Jahre Gesangsunterricht, habe dort auch intensiv im Chor gesungen. Ich singe sehr gern, immer noch und viel, auch mit den Schülern meiner Musikschule zum Beispiel, aber wenig als Leadsängerin auf der Bühne. Eher im Backround. Für die Musik, die ich mache finde ich meine eher klassische Stimme nicht so geeignet. Ich wollte immer ´ne Rockröhre haben. Die wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Aber dafür ´ne schöne (sagen einige :)) relativ hohe Mädchenstimme.
Vielleicht noch ein paar Worte zu einem prominenten Mitwirkenden. Mit Jäcki Reznicek, Bassist von SILLY, ist eine echte Ostrock-Legende dabei.
Ja, und ich muss jetzt nicht betonen, wie glücklich ich darüber bin! Jäcki kenne ich schon sehr lange, und nicht nur als Bassist von SILLY, auch durch seine musikpädagogische Tätigkeit an Hoch- und Musikschulen. Er war mir schon immer sehr sympathisch. Richtig kennengelernt hab ich ihn allerdings erst kürzlich bei einem Konzert seiner Band Driftwood Holly, wo ich dem Geiger der Band, der in (Instrumenten-)Not geraten war, kurzfristig meine Geige zur Verfügung gestellt hatte. Das war ´ne lustige Geschichte und für mich eine glückliche Fügung. Dort habe ich auch seinen Sohn Basti getroffen und die beiden haben mir als Powerteam und Rhythmusgruppe so gut gefallen, dass ich sie für die Produktion angefragt habe und gewinnen konnte. Basti ist auch ein genialer Schlagzeuger, und vor allem ist er auch ein wundervoller Mensch, der sehr kreativ ist und viele tolle Ideen hat, und hat sich mit diesen Ideen auch aktiv in die Produktion eingebracht.
Ungewöhnlich ist, dass Du bei der EP wie schon bei deinem ersten Album Kopf und Namensgeberin bist, aber bei den verschiedenen Stücken gar nicht unbedingt den Scheinwerfer-Part innehast, sondern dein virtuoses Violinspiel jeweils sehr songdienlich einsetzt. Was macht die Platten zu einem Maike-Virk-Alben?
Was die Platte zu einem Maike Virk Alben macht, ist sicherlich die Vielfalt, die man darauf findet. Es gibt nicht nur einen Sänger/eine Sängerin. Fast jeder Song hat eine(n) andere(n) und ist stilistisch anders geprägt. Ich liebe es mit starken Stimmen zu arbeiten und meine Violine - manchmal auch Viola - mit ihnen zu verbinden, eine Symbiose einzugehen. Jeder Sänger, jeder Musiker bringt mir neue Impulse und die kann ich aufnehmen und darauf reagieren und das finde ich daran so spannend. Und es erweitert meinen musikalischen Horizont natürlich, wenn ich mit so unterschiedlichen Leuten arbeite. Ich mag es sehr, mich in einen Song hineinzubegeben und diesem eine persönliche Note zu verleihen. Ich merke, wie ich daran wachse und ich merke aber auch, dass es Interesse daran gibt, dass solche Alben aufgenommen werden. Und das macht mich natürlich froh.
Bei mir hat die Tatsache, dass die Namensgeberin hier zwar die erste Geige, aber nicht die Hauptrolle spielt, ganz automatisch dazu geführt, dass ich genauer hingehört habe als sonst bei Popsongs, und dann erkennt man natürlich auch die Finesse deiner Beiträge. Dein Spiel bildet quasi den roten Faden zwischen stilistisch sehr unterschiedlichen Beiträgen. Wie wählst du für gewöhnlich Mitspieler und Material aus? Was ist die künstlerische Vision hinter den Projekten, die am Ende unter deinem Namen erscheinen?
Ich fang mal damit an, wie ich Material auswähle. Entweder habe ich selber etwas, einen eigenen Song in der Schublade, oder ich beschäftige mich mit dem Werk der Menschen, die mir aktuell begegnen, die ich interessant finde. Künstler, die mich beeindrucken durch ihre Persönlichkeit und natürlich mit dem, was sie tun und deren Songs mich emotional ansprechen, die mir über den Weg gelaufen sind oder online so präsent, dass ich sage mit dem oder der würde ich sehr gern mal arbeiten. In den meisten Fällen hat das auch immer sehr gut funktioniert und meine Wünsche sind mehr als in Erfüllung gegangen. Eine von meinen künstlerischen Visionen ist sicherlich auch Musiker zusammen zu bringen, die so in dieser Kombination sonst eigentlich gar nicht zusammenspielen und damit etwas Neues, Einzigartiges zu schaffen. Sowohl bei „Something New“ als auch bei den „Himmelsliedern“ gibt es für fast jeden Song eine andere Band. Das waren glückliche Momente, diese Studiosessions. Ich möchte an dieser Stelle auch mal die Produzenten erwähnen, mit denen ich zusammengearbeitet, die ja meistens im Hintergrund bleiben, aber einen Großteil zum Gelingen der Platte beitragen und stellvertretend hier Marcel Wicher, den Produzenten der EP, danke Marcel! Eine weitere künstlerische Vision ist sicherlich auch die Geige in der Rock-/Popmusik auf eine andere Art zu platzieren, als sie im herkömmlichen Sinne eingesetzt wird und mehr als Soloinstrument in den Vordergrund zu rücken.
Noch ein Blick auf deine Vergangenheit? Du hast schon mit etlichen Prominenten die Bühne geteilt. Wer hat dich besonders beeinduckt oder gar musikalisch beeinflusst?
Ich möchte an dieser Stelle mal drei nennen. Der erste, der mich nachhaltig beeindruckt und beeinflußt hat, war der Zappa-Gitarrist und Pianist Mike Keneally, ein unglaublicher Virtuose und Meister seines Faches, dazu noch ein hervorragender Sänger. Ich habe damals mit ihm und Bassist Scott Thunes (der auch bei einem Song meines Debütalbums vertreten ist) und meiner damaligen Frauenband auf der Zappanale 2002 ein Konzert und eine wunderbare Session gehabt, bei der ich das erste Mal das Erlebnis hatte, wie man eine Symbiose eingeht, bei einer Spontan-Improvisation mit einem Musiker, den man vorher noch nicht gekannt hat. Das war wirklich himmlisch. Es gab dann später noch mehr Erlebnisse dieser Art, but „The first cut is the deepest.“ :-) Der zweite, der mich nachhaltig beeindruckt hat hat, ist natürlich Joro Gogow, der mit seinem Song „Am Fenster“ einen Hit geschaffen hat, bei dem die Geige das Allerwichtigste ist und so in den Vordergrund rückt, wie sie es vorher noch nie in der Rockmusik geschafft hat. „Am Fenster“ ist ja auch schon sehr lange mein Leib- und Magensong, der immer wieder eingefordert wird, wenn ich irgendwo auf der Bühne stehe, und ich durfte ihn auch einmal mit Joro zusammen performen. Das war natürlich großartig. Die dritte im Bunde ist Julia Neigel. Und das war ein Glücksfall, dass ich mit ihr zusammenspielen konnte, das zweite Mal jetzt schon. Sie hat mich beeindruckt mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Nahbarkeit und sie ist so eine Hammer-Sängerin, und es war ein unglaubliches Erlebnis mit ihr auf der Bühne gemeinsam zu performen.
Du bist ja klassisch ausgebildet. Unternimmst du auf dem Gebiet auch etwas oder hast du dich ganz der Popmusik verschrieben?
Ich unternehme natürlich auch was auf dem klassischen Gebiet, zum einen in meiner Musikschule, dort unterrichte ich Geige und Klavier, und meine Schüler spielen Klassik genauso wie Rock/Pop/Jazz und Folk. Und zum anderen beteilige ich mich manchmal auch an Projekten, wo die Klassik gefordert ist, jetzt im September zum Beispiel bei einem Orchesterprojekt in Bingen, worauf ich mich auch sehr freue.
Was macht für dich einen guten Song aus?
Ein guter Song ist für mich jeder Song, der mich emotional berührt. Einer bei dem die Komponenten, Text, Melodie, Harmonien, Rhythmus so ineinandergreifen, dass man von Anfang bis Ende dabeibleiben möchte, dass er einen fesselt und anhebt.
Und was sollte ein Musiker mitbringen, um deine Aufmerksamkeit zu binden?
Da fange ich jetzt mal ganz nüchtern an. Er sollte sein Handwerk beherrschen, gut ausgebildet sein und dabei spielt es keine Rolle, ob Autodidakt oder Hochschulstudium. Musiker, die gut spielen, brennen für ihr Instrument und sind von Natur aus fleißig, weil es ihre Passion ist. Das ist eine Grundvoraussetzung. Und um erstmal Aufmerksamkeit zu erregen, brauchen sie natürlich auch ein nicht unerhebliches Maß an Bühnenpräsenz. Aber wenn jemand sehr gut spielt oder singt, ist in den meisten Fällen diese Präsenz ja automatisch gegeben. Und dann kommt natürlich noch die Sympathie ins Spiel, die unerlässlich dafür ist, dass es auch musikalisch funkt.
Du hast unter anderem mit „Himmelslieder“ und „Small Wings“ auch zwei aufwändig produzierte Videos am Start auf Youtube. Ist Videoproduktion auch ein Steckenpferd von Dir?
Ja, absolut und ich würde sehr gern noch viel mehr Videos prozieren, wenn es nicht so kostenintensiv und zeitaufwendig wäre. Die Ideen gehen mir da jedenfalls nicht aus.
Gibt es für die nähere Zukunft schon spruchreife Projekte?
Ja , die gibt es. Die „Himmelslieder“ werden auch auf Vinyl erscheinen. Sie passen auf eine Plattenseite. Und für die andere werden gerade noch 4 weitere Songs produziert. Aber dazu später mehr. Und dann möchte ich noch auf meine Veranstaltungsreihe „Orgaenic Circulae“, die ich gemeinsam mit Petra Brockmann und dem Orgaenic Salon Dresden vor zwei Jahren ins Leben gerufen habe, hinweisen. Am 5. September wird dort der Künstler Crow mit „Art of Crow“ auftreten und Julian Wolf und ich werden ihn begleiten. Und am 27. November werden Felix Meyer und Norman Daßler kommen! Und ich freu mich schon sehr auch ein paar Songs mit ihnen gemeinsam zu performen.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Deine Pläne!
Interview: Rainer Buck
Bearbeitung: Christian Reder
Rezensionen

Good Times - August/September 2025
Maike Virk
Himmelslieder
Zurzeit ist Maike Virk mit Stern - Combo - Meißen - Sänger Manuel Schmid unterwegs: die sanfte Stimme und die gefühlvolle Violine. Nachzuhören ist das auf HIMMELSLIEDER. „Meine Hände“ von Holger Biege und Sillys „Asyl im Paradies“, denen die zwei ihre eigene Note geben, sind eine Verneigung vor dem verstorbenen Holger Biege und der einstigen Silly-Sängerin Tamara Danz. Virk umschmeichelt mit ihrem Instrument die perlende die Stimme des Vokalisten. Unterstützt wird das Duo von Michael Lehrmann (g, einstStern-Meißen, Veronika Fischer), Jäckie Reznicek (b, Silly) und Basti Reznicek (dr, Stamping Feet). Auf eine poetische Art sind das bereits „Himmelslieder“, der Titelsong kommt dann aber als Bluesrock. Gesungen von der Rockröhre Steffi Breiting (Klosterbrüder, Die Zöllner, Sweet Confusion, The Dylan Projekt MasterPeace) spielt Maike Virk hier feuriger. Schließlich gibt es alternativ Rock mit „G.I.N.“ Jens-Uwe Bernd

Deutsche Mugge Musikmagazin - Juli 2025
Musikalischer Schatz
Maike Virk
Himmelslieder
(EP) https://timezonerecords.lnk.to/himmelslieder
Diese Sammlung von vier Titeln, einfach, aber stilvoll in einer aufklappbaren 6seitigen Papp-Einsteckhülle verpackt, ist für mich eines der musikalischen Highlights diese Jahres. Mit einer Spieldauer von etwas über 16 Minuten erreicht die Scheibe in etwa den Umfang einer Schallplattenseite und hat nur den kleinen Nachteil, dass man sie nach Verklingen des letzten Stücks nicht noch umdrehen kann. Dafür kann man auf Repeat drücken, und da die EP nicht nur ansprechend, sondern auch musikalisch überaus gehaltvoll ist, wird man beim Wiederhören sicher auf neue schöne Details stoßen.
Maike Virk, ansässig in Dresden, spielt Violine und Bratsche und ist klassisch ausgebildet. Mit Violine ist man für gewöhnlich in Rock- und Popbands eher als Begleitung unterwegs, abgesehen von einigen bekannten Crossover-Acts. Doch vor kurzem wartete die Musikerin mit einem Solo-Debüt auf, dem nun diese zweite Scheibe unter eigenem Namen folgt. Beide Platten sind allerdings geprägt durch das Zusammenwirken mit unterschiedlichen Sängern, Songschreibern und Instrumentalisten, die unterschiedlichste Akzente einbringen. Maike Virks Spiel ist quasi der „rote Faden“, der alles lose verbindet.
Sie spielt sich bei den Stücken nicht einmal offensichtlich in den Vordergrund, setzt aber wesentliche Akzente durch ihr Spiel und ihre Arrangements. Und ihr kommt natürlich das Verdienst zu, die hier mitwirkenden musikalischen Talente für das Projekt versammelt zu haben.
Als erster sei Moritz Engelmann genannt, Sänger in Maikes aktueller Band. Stimmlich erinnerte er mich stark am James Blunt, wenn das englischsprachige Stück „G.I.N.“ balladenhaft einsetzt. Im Refrain zieht das Tempo an, insgesamt wird es zu einem veritablen Artrock-Stück. Maike, die sich mit dem Sänger die „credits“ für die Komposition teilt, kommt in der zweiten Hälfte ins Spiel, sowohl in einer rockigen als auch in einer atmosphärisch ruhigen Passage. Es gab einmal eine US-Westcoast-Band mit dem Namen „It’s A Beautiful Day“, die Ende der 60er Jahre eine Violine als Rockinstrument einsetzte. Eine andere Referenz ist natürlich der City-Titel „Am Fenster“, der beweist, was ein einzelnes Streichinstrument für einen Song leisten kann.
Als Tracks 2 und 3 folgen zwei Coverversionen mit Stern-Meissen-Sänger Manuel Schmid. Das atemberaubend schöne „Meine Hände“ von Holger Biege und Werner Karma ist in Text und Melodie und durch die einfühlsame Vokal-Darbietung von Manuel so stark geraten, dass die EP allein damit schon dem Titel „Himmelslieder“ gerecht wird. Maike sorgt fürs i-Tüpfelchen in einem perfekten Arrangement. Es folgt Sillys „Asyl im Paradies“, wo die Violine mal richtig im Vordergrund spielt. Eine perfekte „unplugged“-Version dieses Titels. Maike unterstützt hier auch dezent als Background-Sängerin, was der Darbietung noch mehr Tiefe gibt. Diese beiden Cover-Titel sind für alle Fans von Manuel Schmid eine wunderbare „Zugabe“ zu dessen Projekt mit Dirk Zöllner.
Zum Abschluss der EP folgt der Titelsong, der sich beim ersten Hören als Überraschung erweist, denn „Himmelslieder“ entpuppt sich als überraschend erdiger Bluesrocker, dem die Sängerin Steffi Breiting den Stempel aufdrückt. Es ist ein unsentimentaler, leicht frivoler Beziehungssong, dargeboten mit einem Augenzwinkern, und die Fiddle rockt hier überwiegend lässig und doch kraftvoll mit. Westernhagen schrieb in seiner ersten Glanzzeit ähnliche Nummern wie diese aus der Feder von Maike Virk.
Damit sind wir leider schon durch, aber -wie gesagt- es gibt ja die „Repeat“-Taste. Rainer Buck

Eclipsed - Juli 2025
(Ost- ) Rock
MAIKE VIRK
„Himmelslieder“ (EP)
(Timezone)
Artverwandt: City; Silly; Stern Meissen
Wer Können und Virtuosität von Rock Geigern wie George Gogow und Hans die Geige zu schätzen weiß, sollte auch das musikalische Werk von Maike Virk kennenlernen. Nach ihrem Debütalbum „Something New“ vor zwei Jahren mit einem Mix aus Rock, Pop, Elektro und Folk hat die Violinistin mit ihren Freunden Jäcki Reznicek, Basti Reznicek und Stern-Meissen-Frontmann Manuel Schmid eine EP eingespielt, die es in sich hat. Im Titelsong „Himmelslieder“, in dem die weibliche und männliche Sicht auf das Thema Liebe verhandelt werden, kommt neben dem Stern Meissen und Silly- Musikern auch Sängerin Steffi Breiting zur Geltung, die vielen durch ihre Zusammenarbeit mit der reformierten Band Klosterbrüder bekannt sein dürfte. Maike Virks Geigenkunst prägt hier jeden Einzelnen der gebotenen Tracks. Beim englischsprachigen „G.I.N.“, eine Gemeinschaftskomposition von Virk mit Sänger Moritz Engelmann, klingt ein Gespür für veritable Ohrwürmer durch. Und auch die gelungenen Neueinspielungen des Holger-Biege-Songs „Meine Hände“ bzw. des Silly-Klassikers „Asyl im Paradies“ lassen aufhorchen. Ulrich Grunert
Top Track: Asyl im Paradies

Amazon 2024
Maike Virk
Something New
Diese CD ist außergewöhnlich. Die Dramaturgie macht sie zu einer klassischen Sinfonie: Im ersten Satz lernt man sich kennen, im zweiten gewöhnt man sich aneinander und kann sich nicht lassen, es folgt die Eifersucht im dritten und im vierten schließlich muss man gehen, wenn aus der Liebe nicht Hass werden soll. Daneben, als Kontrapunkte, hören wir Lieder, deren Zeitbezug unverkennbar ist, unaufdringlich eindringlich. Die Texte haben Mascha-Kaléko-Qualität, diesen beim-zweiten-hören-Tiefsinn, sie dichten.
Die Singstimmen zeigen eine Sicherheit, Volumen, Ausbildung, die selten geworden ist, der absolute Höhepunkt aber ist die Violine. Sie singt, trillert, spricht, erzählt, treibt, klagt hin und wieder … ohne zu dominieren. Maike Virk ist kein Teufelsgeiger wie Paganini, sie ist eine Himmelsgeigerin.
Das Booklet zur CD ist ein zusätzlicher Bonus, so manche Musikgenießende mögen wissen, was sie hören, das ist ein weiterer Vorteil gegenüber der runterlad-Mentalität. Conakry Embé

Eclipsed 2024
MAIKE VIRK
„Something New“
(Timezone)
Mit ihrer Violine hat die klassisch ausgebildete Geigerin Maike Virk mittlerweile so einige Kreise gezogen. Durch ihre Zusammenarbeit mit Manuel Schmid, Jäcki Reznicek, Tino Eisbrenner, Georgi Gogow, Dietrich Kessler und den Klosterbrüdern hat die Musikerin, die bereits seit Jahren auf der Bühne steht, jüngst viel Beifall erhalten. Auf ihrer ersten Solo-CD sind nun Songs aus unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere vereint, teilweise neu eingespielt. So interpretiert Maike Virk mit „Auf der Flucht“ einen Song der in den 90er Jahren populären norddeutschen Folk-Band Canguru, in der sie bereits die erste Geige spielte. Herausragend klingt auch die psychedelische Deutsch Rock-Nummer „Falscher Feind #3“, bei der Karl Neukauf und Danny Dziuk eine Top-Gast-Vorstellung geben. Maikes Geige ist der rote Faden durch ein Album, auf dem mehr als 30 Sängerinnen und Musiker in unterschiedlicher Stilistik agieren. Ob Folk, Prog, Rock oder Pop – die Kunst der Maike Virk macht aus jedem der 11 Songs etwas ganz Besonderes. Ulrich Grunert

Goodtimes online
SOMETHING NEW - MAIKE VIRK: IN FOLK GETAUCHTE SINGER/SONGWRITER-MELANCHOLIE
Maike Virk ist der Ostblock-Gemeinde in jüngster Zeit immer häufiger begegnet, wenn sie ihre Geigenkunst Gruppen und Künstlern wie Tino Eisbrenner, Georgi Gogow (!), Dirk Zöllner, Manuel Schmid (Stern-Meißen-Sänger) oder den Klosterbrüdern bei Auftritten zur Verfügung stellte. Sie ist gefragt. Denn Virk musiziert mühelos genreübergreifend. Dabei wird von ihr das Melancholische ganz offensichtlich bevorzugt, ist ihr Debüt SOMETHING NEW doch voll von unter die Haut gehender Melodien. Auch wenn die CD vordergründig unter Maike Virk firmiert, gibt es auf dem Back-Cover den Hinweis, dass hier "Miss Violin & Bands" agieren. Und das lenkt uns auf die interessante Dramaturgie dieses Tonträgers. Auf SOMETHING NEW bekommt der geneigte Hörer nämlich keine durch bittersüße Weisen schwelgende Geige präsentiert, sondern die Zusammenstellung von in unterschiedlichen Band-Konstellationen aufgenommenen Songs, in denen Maike Virks Instrument eine Rolle spielt - wenn auch eine maßgebliche. Den Anfang machen zwei Kompositionen der Violinistin, von denen "Klick" durch die gleichermaßen exaltierte wie lässige Gesangsinterpretation der Liedermacherin Tini Bot herausragt. Ganz stark das Irish-Folk-Stück "Hundred Year Kiss", das der US-Musiker Kyle Alden komponierte und auf SOMETHING NEW auch singt. Der Text stammt von der Schauspielerin Stacy Thunes, die schon die zwei Virk-Stücke mit entsprechender Lyrik versah. Logisch, dass gerade hier die Geige brilliert. "Fool" und "Small Wings" sind gefühlvolle Kollaborationen von Maike Virk mit den jungen Musikern Moritz (Komposition, voc) und Gustav Engelmann (Komposition, Bass, Piano). Die Folk/Country-Nummer "Liquor Store" hat Feuer und eine ebenso leidenschaftlich aufspielende Maike Virk, die dem Gitarristen Oli Schneider Paroli bietet. Eindringlich kommt der Song "Falscher Feind #3" von und mit Singer/Songwriter Karl Neukauf. Die Geigerin verleiht der dynamischen Ballade Dramatik. Aus Virks Zeit in der Gruppe Canguru stammt das Stück "Auf der Flucht", das bereits 1995 entstand. Mit "Joeline" bleibt es mit der Liedermacherin Corina Liebmann deutsch, was sich schließlich in dem Silly-Song "Bye Bye" fortsetzt. Wunderschön, wie Maike Virk gleich mit dem Leitmotiv ins Lied geleitet, das dann von Rubini Zölner gesungen wird. Die CD beschließt mit dem Kathrin-Duschek-Stück "Libido Blues", zu dem Ostrock-Urgestein Sieghart Schubert die Keyboards beisteuert. SOMETHING NEW zielt auf ein breites Publikum, denn die CD bietet eine Menge: viel Folk-Musik oder Folk-Beeinflusstes, virtuose Geigenklänge, Singer/Songwriter-Melancholie, hintersinnige Lyrik, ausgefeilte Instrumentalleistungen (unter anderem von Scott Carter Thunes (b), Friedemann Spindler und Tobias Bronner (beide g) von Alice Roger oder Manu Kolditz (dr) - um noch ein paar weitere Beteiligte erwähnt zu haben) und auffällig starke Gesangsleistungen mehrerer Stimmen. Vor dem für diese Scheibe betriebenen Aufwand kann man nur den Hut ziehen. Jens-Uwe Bernd

Insgesamt habe ich die CD sicher 5 oder 6 mal gehört. Besonders möchte ich die zurückhaltende Art der musikalischen Gestaltung loben. Ich war in Erwartung von reiner „Geigenmusik“, fand aber ein sehr unterhaltsames Gesamtwerkwerk. Dies überraschte mich sehr. Überrascht im absolut positivsten Sinne. Es war keine Selbstdarstellung oder Zurschaustellung der eigene musikalischen Fähigkeiten, sondern ein kurzweiliger Zeitvertreib.
Besonders die Auswahl der Stimmen hat mir sehr gefallen.
3 Lieder möchte ich hervorheben. Zum ersten gleich das Erste. Es ist leicht und gut eingespielt. Es gefällt mir einfach. Hundred Year Kiss find ich auch toll da es nicht die klassische Geige darstellt sondern den „dreckigeren Sound“ eines Pubs sehr gut einfängt. Es passt zu meinen 2 Semestern in Dublin und erinnert mich an diese tolle Zeit.
Besonders möchte ich jedoch auf das Lied 8, „Auf der Flucht“ eingehen. Ich kannte es zuvor nicht. Die Großeltern meiner Frau sind Deutsche welche aus Polen vertrieben wurden. Vor ein paar Tagen hatten sie eiserne Hochzeit und traten eine „Reise in die alte Heimat“ an. Die Erzählungen als Sie zurückkamen und Maike Virks Interpretation passen so auffällig zusammen, dass es weh tut. Die klare, junge, fast kindlich leichte Stimme der Sängerin (ich finde Ihre Stimme wirklich bemerkenswert) ist beeindruckend. Die verstreuten Töne der Geige sind unaufdringlich und zerstören die Stimmung nicht, sondern begleiten diese wie etwas was immer da ist- uns umgibt wie Luft. Ich bin sehr beeindruckt ob des Arrangements. Ich habe diese Interpretation sehr genossen.Was der große John Williams in erdrückender Schwere erschuf (Schindlers Liste – Hauptthema) und ob der Klarheit keine Interpretation benötigt, hat Maike Virk mit dem Lied von Ingo Schlüter ungleich schwerer geschaffen. Kein tragischer Vorwurf, keine endlose Tiefe und trotzdem das „ nicht ins Belanglose" abrutschende Lied eines Liedermachers.
Es ist vielleicht extrem aus der Zeit gefallen sich umzuwenden, Geschichte als Geschichte wahr zu nehmen und ohne Groll aus Fehlern zu lernen, so das solche Lieder wieder gehört und gespielt werden. Prof. Dr. Robert Klemm
